Mai 1937: das "Narrenhäusel" an der Neustädter Seite der Augustusbrücke
(Im Rücken des Betrachters befinden sich die Elbe und Dresdens Altstadt.)


Quelle: Repro Projekt "Schulmuseum Dresden", Ausstellungsteil Berufsschule/Gastronomie


Historisches: Das Jahr 1937
Pfingsten 1937 öffnete das "Narrenhäusel"

Nach einem Jahr umfangreicher Bauarbeiten war vom alten "Narrenhäusel" nur noch wenig zu erkennen. Ein moderner gastronomisch nutzbarer Zweckbau war entstanden. Am Pfingstsonnabend 1937 wurden erstmals Gäste im neuen Gebäude begrüßt. "Es ist ganz erstaunlich, wie viel Platz in dem gar nicht geräumig anmutenden Hause vorhanden ist", schrieb die Tagespresse. Es war Dresdens letzte große Gaststätteneröffnung vor dem Zweiten Weltkrieg.
Der Haupteingang befand sich seitens der Augustusbrücke. Ein großes schmiedeeisernes Wirtshauszeichen wies auf die neue Gaststätte hin. Eine Kutsche als Vierspänner und mehrere Lakaien konnte man darauf erkennen. Über einen kleinen "plattenbelegten Vorhof" ging es ins Gebäude. Im Untergeschoss befanden sich die Weinstuben. Deren Zimmerdecken und Wände waren mit ungebeizten Lerchen- holz ausgekleidet. Die zwei Rundräume verfügten jeweils über 14 Gästeplätze. Dazwischen gab es eine größere Bierstube. Die große Freiterrasse wurde zur wärmeren Jahreszeit von zahlreichen Gästen genutzt.
Im ersten Obergeschoss - ebenerdig von der Augustus- brücke erreichbar - befanden sich gemütlich eingerichtete Kaffeeräume. Die Zimmerdecken zeigten Reliefdarstellungen vom ehemaligen höfischen Leben in der sächsischen Residenzhauptstadt. Damit wollten die Bauherren an die Entstehung des Hauses anknüpfen. Ähnlich sah es auch in der zweiten Etage aus. Etwa 60 Gäste fanden in den stilvoll eingerichteten Räumen Platz. Die Wände schmückten echte Gemälde mit alten Dresdner Motiven. Nicht wenige waren Leihgaben aus den Museen der Stadt.
Für größere Gesellschaften war die neuzeitliche Gaststätte "Narrenhäusel" vorbereitet. In der dritten Etage gab es einen kleinen Festsaal für etwa 35 Personen. Hier wurden kleinere Hauskonzerte und Tanzveranstaltungen abgehalten.
Die Dresdner und die zahlreichen Touristen freuten sich über das neue "Narrenhäusel" am Eingang der Augustusbrücke. "Das ganze Haus hat eine Fülle von Nischen und Erkerchen, die nicht nur wie geschaffen sind zu besinnlichen Gespräch, sondern die auch zahlreich fesselnde Blicke zur Brühlschen Terrasse, zur Akademie, zum Schloss und auf das Leben und Treiben auf der Brücke gestatten" hieß es damals.
Eigentlich standen dem neuen gastronomischen Unternehmen erfolgreiche Jahrzehnte bevor. Bis weit in den Jahren des Zweiten Weltkrieges konnte es sich der Publikumsgunst sicher sein. Zunehmende Schwierigkeiten bei der Warenbeschaffung und die Einführung der Lebensmittelkarten verursachten keinen wesentlichen Umsatzeinbußen. Erst die Zerstörung des Gebäudes beim Bombenangriff im Februar 1945 brachte das endgültige Aus. Doch nur teilweise geriet ein Stück Dresdner Gastronomiegeschichte in Vergesslichkeit. Zu DDR-Zeiten befand sich hier ein provisorisch wirkender unschöner Flachbau, der eine Gaststätte namens "Narrenhäusel" beherbergte. Ende der 1990-er Jahre wurde der gastronomische Betrieb eingestellt und das Gebäude abgerissen. Am idealen Standort erfolgt heute die Bewirtschaftung des herrlichen Gästegartens durch ein weiteres Provisorium. Zumindest erinnert der äußere Umriss des Holzbaues an das ehemalige Narrenhäusel.

Text: Herr Andreas Them

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